Hintergund

Wenn Menschen miteinander diskutieren, Meinungsverschiedenheiten austragen, Auseinandersetzungen führen, andere zu überzeugen suchen oder sich an gesellschaftlichen Debatten beteiligen, geht es idealerweise darum, Gründe zu artikulieren. Wenn wir unsere Meinungen daraufhin überprüfen, ob sie gerechtfertigt sind, suchen wir idealerweise nach Gründen für unsere Meinungen und bewerten diese Gründe.

Argumentationstheorie ist das Werkzeug, mit dem die argumentativen Strukturen von Begründungen, Debatten, Diskussionen, Meinungsverschiedenheiten, Kontroversen, Dissensen oder Misshelligkeiten analysiert und im Hinblick auf ihre Qualität bewertet werden können. Wir – die Gründer*inen der ArgumentationsAgentur – haben in unserer akademischen Arbeit

Mit der ArgumentationsAgentur wollen wir unsere Kompetenzen

Menschen lassen sich doch nicht von Argumenten überzeugen. Wozu dann Argumente rekonstruieren oder Argumentationsfähigkeiten stärken?

Suche nach am besten begründeten Überzeugungen ist nicht alles, was Reflexion und Diskussion ausmacht. Beispielsweise geht es in politischen Auseinandersetzungen teilweise darum, Zustimmung zur eigenen Position zu erzeugen. Darüber hinaus zeigt die psychologische Forschung, dass unser Denken von Aspekten beeinflussbar ist, die nichts mit der argumentativen Qualität zu tun haben: die Art und Weise, wie uns ein Problem dargestellt wird (framing), in welcher Reihenfolge uns Optionen vorgestellt werden etc. beeinflussen unsere Entscheidungen. Hinzu kommt, dass unser kognitives Vermögen beschränkt ist (wir vergessen Relevantes) und wir häufig unter Zeitdruck denken und entscheiden müssen.

Diese psychologischen Verzerrungen und kommunikativen Interessen zeigen, dass die Argumentationstheorie kein Allheilmittel für gelungene Refelxion und Diskussion ist. Sie ist aber ein notwendiges Mittel.

Wie hängt die Argumentationstheorie mit anderen Ansätzen zum Denken, Entscheiden und Kommunizieren zusammen?

Wenn wir über etwas reflektieren oder mit anderen diskutieren, geht es in der Praxis vielfach nicht nur darum, Gründe zu identifizieren und zu artikulieren. Unsere Absichten, Interessen, Wünsche, Machtpositionen, Dispositionen, Gewohnheiten (Psycholog*innen sprechen von “Heuristiken”) üben einen signifikanten Einfluss auf unser Denken und Kommunizieren aus. Diese Effekte werden innerhalb der Pychologie, Verhaltensökonomik und Erziehungswissenschaften untersucht. Inzwischen haben sich Ansätze herausgebildet, die Erkenntnisse aus der empirischen Forschung in Beratung zum Reflektieren, Entscheiden und Kommunizieren einbringen: Kritisches Denken (Critical Thinking), Entscheidungsfindung (Decision Making).

Der Schwerpunkt der ArgumentationsAgentur liegt auf der Stärkung dessen, wie Reflektieren und Diskutieren idealerweise erfolgen sollte: Austausch von Argumenten. Hierin wurden wir – die Gründer*innen der ArgumentationsAgentur – an philosophischen Fakultäten geschult und haben dazu geforscht. In unserer Arbeit nehmen wir jedoch Bezug auf die Praxis des Reflektierens und Diskutierens und nutzen Ansätze, die insbesondere innerhalb der Psychologie, der Erziehungswissenschaften und der Ökonomik entwickelt wurden. Den Zusammenhang zwischen der Argumentationstheorie und den verwandten Ansätzen sehen wir wie folgt:

Kritisches Denken und Argumentation

Kritisches Denken ist die Fähigkeit, gründlich über Lösungen eines Problems nachzudenken und den am besten gerechtfertigten Lösungsweg auszuwählen (Hitchcock 2022). Diese Fähigkeit ist eine Grundvoraussetzung für selbstbestimmte – oder autonome – Personen.

Inzwischen hat sich ein akademisches Feld herausgebildet, das sich der Systematisierung und der Vermittlung dieser Fähigkeit widmet. Es giblt zahlreiche Akteure, die Kritisches Denken außerhalb von Universitäten trainieren.

Kritisches Denken umfasst dabei eine Reihe von Dispositionen und Fähigkeiten. Die Fähigkeiten, die den Schwerpunkt der ArgumentationsAgentur darstellen – Gründe zu identifizieren, als Argumente zu rekonstruieren und ihre Plausibilität zu bewerten – sind Schlüsselkompetenzen kritischen Denkens. Aus diesem Grund liegt unser Schwerpunkt darauf.

Intuitives Denken (Heuristiken) und Argumentation

Psycholog*innen und Verhaltensökonom*innen (Kahneman, Giegerenzer) haben eindrucksvoll aufgezeigt, dass Menschen bei ihren Entscheidungen vielfach einfachen Regeln (Heuristiken) folgen und nicht komplexen Argumentationsstrukturen. Teils verzerren diese Heuristiken die Entscheidungen, teils verbessern sie sie.

Argumentationstheore und psychologische Forschung zum intutiven Denken ergänzen sich. Mit Hilfe der Argumentationstheorie lassen sich die normativen Kriterien für die Beurteilung dessen, welche Heuristiken angemessen und welche verzerrend sind, erst identifizieren.

Kreatives Denken und Argumentation

Manchmal reflektieren wir und diskutieren wir mit dem Zweck, Optionen, Möglichkeiten zu identifizieren, den Raum des Denkbaren zu erweitern. Hierbei denken wir nicht argumentativ, sondern kreativ.

Zum Kreativen Denken gibt es eigene Methoden – Brainstorming, Design Thinking sind prominente Beispiele. Beim Argumentieren ist kreatives Denken auch gefragt, beispielsweise dann, wenn es darum geht, sich möglichst viele Einwände gegen eine Position zu ersinnen.

Entscheidungsfindung und Argumentationstheorie

Wenn eine Person nach einer Entscheidung darüber sucht, was sie in einer gegebenen Situation tun soll, sucht sie nach nichts Anderem als einem Argument dafür, welche der ihr verfügbaren Handlungsoptionen sie wählen soll:

Rekonstruktion und Analyse von Argumenten ist das grundlegende Werkzeug für eine reflektierte Entscheidungsfindung

Der Analyse der Entscheidungsfindung widmet sich auch die Entscheidungstheorie (decision theory). Argumentanalyse sehen wir als eine Ergänzung zur Entscheidungstheorie. Argumentanalyse hilft dort weiter, wo die Entscheidungstheorie die Meinungsverschiedenheiten darüber, was getan werden soll, nicht auszuräumen vermag. Selbst wenn die Entscheidungsträger*innen sich darin einig sind, dass dasjenige tun sollen, was den erwarteten Nutzen maximiert, können sie sich uneinig darüber sein, wie wahrscheinlich zukünftige Ergebnisse sind oder wie wertvoll sie sind oder wie gewagt oder abgesichert eine Handlung sein sollte. Solche Meinungsverschiedenheiten lassen sich mit Hilfe der Argumentanalyse analyisieren und in Handlungsstrategien angesichts normativer Meinungsverschiedenheiten überführen.

Es gibt keine ideologiefreie Kritik. Welcher Ideologie unterliegt die ArgumentationsAgentur, wenn sie politische Argumente analysiert?

Rekonstruktion von Argumenten unterliegt hermeneutischen Prinzipien: Akkuratheit und Wohlwollen. Sie unterliegt keinen politischen Werten oder Prinzipien und somit keiner politischen Ideologie.

Gleichwohl sind wir, diejenigen, die Argumente rekonstruieren, als Bürger*innen nicht frei von politischen Überzeugungen. Diese Überzeugungen haben einen Meta-Einfluss auf unsere Arbeit: sie beeinflussen, welche Themen wir für relevant und interessant halten und mit welchen Themen wir uns beschäftigen. Sobald wir uns mit einem Thema argumentativ beschäftigen, lassen wir uns von hermeneutischen Prinzipien leiten, so ist zumindest unser Anspruch.

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